Die Bienenhaltung in der kenianischen Oberträgerbeute

Allgemein

Es gibt 4 verschiedene Arten der Bienenhaltung:

  • natürliche Bienenvölker
  • naturnahe Bienenhaltung (TBH, Einraumbeute)
  • artgerechte Honigimkerei
  • intensive Honigwirtschaft

die je nach ihrer Aufgabe unterschiedliche Bienenbehausungen hervorbrachten.

Die Beute TBH

Die kenianische Top Bar Hive (TBH) ist eine Einraumbeute mit schrägen Wandungen und beweglichen Oberträgern sowie optimalen Voraussetzungen für die naturnahen Bienenhaltung. Diese beherbergt etwa 10-14 bewegliche Waben im Naturbau und ist für Honig-, Propolis- und Wachsgewinnung geeignet. Für Anfänger und für Bienenhalter, die den Bienen einfach eine Wohnung geben wollen und nur wenig Honig entnehmen möchten ist diese Beute sinnvoll.
Bei der TBH kommen wir mit wenig Gerätschaften aus denn es werden keine Rähmchen, keine Mittelwände, keine Erweiterungszargen, keine Honigschleuder und auch kein Wabenschrank benötigt.

Die Vorrausetzung

Voraussetzung für die Bienenhaltung ist die Aneignung von Grundkenntnissen, die regelmäßige Kontrolle der Völker und die Anmeldung beim Veterinäramt.
Am Anfang ist es sehr wichtig einen Imkerpaten an der Seite zu haben um allen Fragen (die schon nach kurzer Zeit auftreten!) mit den richtigen Maßnahmen zu begegnen. Bekannterweise vermittelt das Internet sehr viel Wissen … aber es muss dennoch richtig umgesetzt werden um Völkerverluste zu vermeiden. Vorzugsweise ist ein Imkerpate aus der näheren Umgebung zu empfehlen.

Kauf oder Selbstbau?

Wegen der Einfachheit der Beute ist ein Selbstbau möglich und auch gewünscht denn das steigert das Wissen für diese Art der Bienenhaltung und hilft bei individuellen Anpassungen der Beute.
Die von der LWG empfohlene hohe Beute mit Varroaboden ist als Bauanleitung auf jeden Fall zu empfehlen und entspricht von den Maßen her auch der bei Holtermann käuflichen Beute. Damit wird ein kurzfristiger Nachkauf von speziellen Zubehör möglich.

Bienenhaltung in der TBH

Beim Imkern in der TBH können auch ohne Absperrgitter 1-2 Honigwaben mit je 2-4kg Honig entnommen werden und das entspricht dem Maximum für eine naturnahe Haltung damit dem Bienenvolk genügend Futterreserven (10-14kg) für die Überwinterung bleiben. Erfreulicherweise ist bei dieser Art Beute ein starker Melezitoseeintrag unproblematisch bei der Überwinterung, denn der Fühjahrshonig (oberhalb der Brutwaben) kann in dieser Beute nicht ohne weiteres vom Imker entnommen werden und dient somit als flüssiges Winterfutter.
Eine Erneuerung der Waben soll aller 3-4 Jahre erfolgen, dabei werden einzelne Brutwaben entnommen am Ende des Honigraumes (zum Auszug der Bienen) eingehängt. Die freien Plätze werden durch leere Oberträger ersetzt.
Eine erste Honigentnahme ist fühestens im Juni möglich.
Für die TBH ist es von April bis Juli erforderlich (mindestens monatlich) die Brut- und Futterwaben durchzusehen.

Alle Beuten mit Mobilbau können und müssen im Wabenwerk bewegt werden um ein Festbauen zu vermeiden. Eine wöchentliche Beobachtung des Flugbetriebes wird angeraten um Probleme im Bienenvolk rechtzeitig zu erkennen. Eine Varroabehandlung der Völker in den Beuten ist problemlos möglich.

Volksvermehrung

Das Imkern in dieser Einraumbeute geschieht bei nahezu gleichbleibenden Beutenvolumen und kann zu leicht erhöhten Schwarmneigung in Abhängigkeit von der beherbergten Bienenrasse führen. Der natürliche Schwarmtrieb zur Volksvermehrung sollte nicht unterdrückt werden, denn dadurch wird die Milbenvermehrung im Muttervolk unterbrochen und auch der Neustart des Schwarmvolkes beginnt nahezu milbenfrei mit der optimalen Bienenzusammensetzung.
Eine Ablegerbildung ist jedoch auch ohne Probleme möglich.

Kurz gefasst, Vor- und Nachteile TBH

Vorteile:

  • geringe Gerätschaften bei der Bienenhaltung
  • keine Rähmchen oder Mittelwände vorbereiten
  • keine Erweiterungszargen bereithalten
  • kein Wabenschrank und keine Austauschwaben erforderlich
  • Naturwabenbau mit vollständiger Wabenkontrolle möglich
  • Honigernte ohne Honigschleuder durch Press-, Sieb- oder Wabenhonig
  • Überwinterung ohne Futterabriss wegen großem Futterkranz
  • Rückengerechtes und leichtes Arbeiten an der Beute möglich
  • hängende Aufstellung ist sicher vor Mäusen
  • bei Beute mit Kontrollfenster/-öffnung erfolgt die Inspektion ohne Volksstörung
  • schräge Wandung verhindert starkes Aufheizen im Sommer
  • Völkerdiebstahl der TBH ist unatraktiv
  • für Anfänger gut geeignet

Nachteile:

  • die Durchsicht der Völker dauert wegen Entfernung von Wachsbrücken länger
  • eine Honigimkerei ist wegen der Wabenvernichtung nicht sinnvoll
  • wegen der Gefahr des Wabenbruchs ist eine Wanderung mit TBH nicht empfehlenswert
  • größere Aufstellfläche für TBH erforderlich
  • Gefahr von Wabenbruch bei falscher Handhabung
  • die TBH’s sind wenig verbreitet, deshalb ist kaum Erfahrungsaustausch möglich

Abschließend

Die naturnahe Bienenhaltung ist kein Freifahrtsschein die Bienen unbeaufsichtigt zu lassen, denn der Bienenhalter hat auch bei dieser Beute die Verantwortung für das Bienenvolk bei Krankheiten, Futtermangel, Varroabefall und auch gegenüber anderen Imkern in der Umgebung.

Gastbeitrag von Frank Weigert (Mitglied des Landesverband Dunkle Biene Sachsen), Jahnsdorf den 30.12. 2019

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