Freiluftkunstschwarm

Der Freiluftkunstschwarm, wie er zuerst von Guido SKLENAR 1941 zufällig entdeckt wurde, vereint mehrere Vorteile gegenüber herkömmlicher Kunstschwarmmethoden. Bei einem normal zu bildenden Kunstschwarm, auch Fegling genannt, werden Bienen aus verschiedenen Völkern mittels aufgesetzter Trichter in einen Schwarmkasten gefegt. Der Knackpunkt bei dieser Geschichte ist, daß auch viele, meist ältere Bienen, die sich der neu zu bildenden Gesellschaft nicht anschließen möchten, mit in den Schwarmkasten gefegt werden. Wird der Schwarm am eigenen Stand zur Aufstellung gebracht, fliegt ein nicht unerheblicher Teil von Bienen zu ihren Ausgangsvölkern zurück. Ein Umstand, der auf jeden Fall eine Schwächung des Kunstschwarms nach sich zieht.Was natürlich nicht heißen soll, daß diese
 Variante der Kunstschwarmbildung abzulehnen ist. Im Gegenteil, die Bildung von Kunstschwärmen gewinnt in Zeiten von Varroa & Co. immer mehr an Bedeutung. Ist er doch ein hervorragendes Mittel, um auf einfache Weise Völker zu sanieren und neue starke Völker aufzubauen.

Anders beim Freiluftkunstschwarm, hier fliegen – da der Schwarm unter freiem Himmel gebildet wird, daher der Name Freiluftkunstschwarm – alle nicht dem Bienenschwarm anschlußwilligen Bienen zu ihren Ausgangsvölkern zurück. Alles was sich der neuen Volksgemeinschaft anschließen möchte, bleibt. Und noch ein Pluspunkt, die Annahme der Königinnen gelingt – auch nach meinen langjährigen Beobachtungen – 100%ig. Daher eignet sich der Freiluftkunstschwarm ganz vorzüglich zum Einweiseln von wertvollen Königinnen. Also, eine naturnahere Kunstschwarmbildung gibt es nicht!

Freiluftkunstschwarm
Freiluftkunstschwarm, die Königin hängt im Zusetzkäfig unter dem Absperrgitter

Zur Geschichte:

SKLENAR war einst damit beschäftigt aus mehreren EWKs (Einwabenkasten) die Brutwaben in die Rahmen seines Standmaßes einzuschneiden. Zuvor fing er die Königin heraus und ließ sie in einen Käfig einlaufen. Diesen Käfig legte er neben den EWK. Beim nächsten bemerkte er, daß mehrere Bienen zielstrebig in Richtung Käfig marschierten und sich um die für sie völlig fremde Königin scharten – das machte ihn stutzig! Beim nächsten EWK fegte er absichtlich die völlig fremden Bienen auf die Arbeitsfläche und wieder marschierten fast alle Bienen zielstrebig in Richtung Käfig. Eine neue Kunstschwarmmethode war geboren, der – Freiluftkunstschwarm!

Zur Kunstschwarmbildung (nach Sklenar)
An einem schönen Flugtag, das kann zum Beispiel nach der Obstblüte oder das Abräumen von Honigräumen sein, stellen wir einen kleinen Tisch oder Hocker etwas abseits vom Stand unter einen Baum. An einem Ast direkt über dem Tisch befestigen wir mittels Schnur einen sogenannten Schwarmfänger. Dies kann eine einfache Sperrholzplatte mit den Maßen von 30 x 20 x 8 cm sein. Er dient nur dem einen Zweck, den Bienen bei der Kunstschwarmbildung eine größere Fläche zum Aufketten zu bieten.

Ebenfalls an der Unterseite wird rechts und links ein kleiner Haken eingedreht an dem ein leeres Rähmchen mit einem kleinen Zanderkäfig befestigt wird. Die zwei kleinen Haken sollten L – förmig gebogen sein, um eine schnelle Abnahme und doch sichere Befestigung des Rähmchens zu gewährleisten. Auf der Oberseite befestigen wir ebenfalls zentrisch einen Haken oder Bügel zum Aufhängen des Schwarmfängers. Kurz bevor wir den Kunstschwarm bilden wollen, verbringen wir eine begattete Königin unter festen Verschluß in den Käfig. Das Rähmchen mit der Königin hängen wir unter den Schwarmfänger. Dieser wird mittels Schnur so weit herabgelassen, daß das Rähmchen mit der Königin zunächst noch die Tischplatte berührt. Jetzt können wir aus beliebigen Völkern, die eine Schröpfung vertragen können, möglichst zu gleichen Teilen aus Brut und Honigraum bienenbesetzte Waben entnehmen. Achtung! Nur solche Waben entnehmen, auf denen sich zweifelsfrei nicht die Königin befindet. Wir stellen fürs erste die entnommenen Waben auf den Wabenbock, wo wir den Bienen Gelegenheit geben, noch etwas Futter aufzunehmen. Jetzt werden nach und nach Bienen auf das Rähmchen bzw. Käfig gefegt. Wenn sich eine kleine Schwarmtraube um den Käfig bzw. Rähmchen gebildet hat, wird der Schwarmfänger langsam nach oben gezogen, aber nur soweit, daß der Kontakt Tischplatte – Schwarmtraube nicht verloren geht. Dies wiederholen wir so lange, bis der Schwarm ein Gewicht von etwa 2 kg erreicht hat. Wer Mühe hat, daß Gewicht abzuschätzen, kann zusätzlich eine einfache Federwaage zwischen Schwarmfänger und Baum befestigen. Dies ist auch von Vorteil, wenn man vorhat, den Kunstschwarm zu verkaufen. Auch der Deckel vom Schwarmfangkasten hat sich hierbei bestens bewährt, da man den Schwarm am nächsten Morgen ganz unkompliziert mit samt dem Rähmchen in den Schwarmfangkasten verbringen kann. Haben wir das Gewicht von 2 kg erreicht, ziehen wir den Schwarmfänger so weit nach oben bis er frei hängt wie ein natürlicher Schwarm am Baum. Es kommt nicht selten vor, daß sich der Schwarm wie ein echter Schwarm fühlt und sich in die Luft erhebt. Da aber die Königin gekäfigt ist, kommt er nach ein paar Ehrenrunden wieder zu seiner neuen Stockmutter zurück. Solche Völker entwickeln sich besonders gut. Der so gebildete Schwarm bleibt über Nacht am Baum hängen, wodurch das Zusammengehörigkeitsgefühl ganz besonders gestärkt wird.

Quelle: imkerhomepage.de

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